Die Schulbildung hängt in Nepal sehr stark vom Geldbeutel der Eltern ab. Privatschulen sind teuer, die öffentlichen Schulen meist schlecht ausgestattet. Die Nepalhilfe baute in den vergangenen Jahren nicht nur zwei Schulgebäude mit Trinkwasseraufbereitung und Toilettenanlagen. Sie beschäftigt in Malekhu auch sechs Privatlehrer. Zudem wird der Kauf von Schuluniformen und Unterrichtsmaterialien, Computern, Büchern und die Ausstattung der Klassenzimmer unterstützt.
„Manche Eltern ziehen inzwischen wegen der Schule nach Malekhu“, berichtete Hunger. Denn die Schule genieße als Bildungseinrichtung einen hervorragenden Ruf. Fast 400 Kinder erhalten dort täglich eine Schulspeisung, so Hunger. Das Essen für die Schüler wird in einer engen, primitiven Hütte am offenen Feuer zubereitet. „Bisher müssen die Kinder auf Bänken im Freien und in den Klassenzimmern essen. Bald werden sie die Mahlzeiten in einer würdigeren Umgebung einnehmen können.“ Die Vorfreude auf die neuen Räumlichkeiten ist groß.
Nach jahrelanger Vorplanung konnte laut Hunger am 7. März dieses Jahres mit dem Neubau begonnen werden. Die Kosten und der Zeitrahmen würden eingehalten, die Baufirma arbeite zuverlässig. Schon Ende des Jahres könnte das neue, erdbebensichere Gebäude fertig sein. Denn Nepal wird immer wieder, zuletzt 2015, von Erdbeben erschüttert. Die Bauaufsicht habe der ehemalige Schuldirektor Dev Prasad Tripathi. „Eine echte Perle“, wie Hunger sagte. Die Kosten für das neue Gebäude bezifferte Hunger auf 230 000 Euro.
Die Mitglieder konnten sich anhand von Fotos der nepalesischen Helfer vor Ort vom Baufortschritt überzeugen. Vom Legen der Fundamente, dem Hochziehen der Mauern aus Ziegelsteinen, bis zum Einbau der Fenster und der Decken vergingen nur wenige Monate. Die Gerüste für den Häuserbau werden aus Bambusstangen konstruiert. Das fast 200 Quadratmeter große Dach sei an einem Tag fertig gewesen. „Das ist alles eine Gemeinschaftsleistung“, betonte Hunger, der allen Spendern und Sponsoren für die Unterstützung dankte.
Zugleich sollen in dem zweistöckigen Haus medizinische Behandlungsräume untergebracht werden. Denn immer wieder reisen befreundete Ärzte an die Schulen, um ehrenamtlich die Kinder zu untersuchen. „Einheimische und deutsche Kollegen behandeln in ihrem Urlaub.“ Ohne Kosten für die Familien kann so regelmäßig der Gesundheitszustand der Kinder kontrolliert werden. Die nächstgelegenen Krankenhäuser liegen viele Kilometer weit weg und sind für die Familien meist schwer zu erreichen. Eine medizinische Behandlung ist kaum zu bezahlen.
Daher will der Verein einem Mädchen mit einem Sichelfuß so bald wie möglich zu einer Operation verhelfen. Santoshi Pariyar kam bereits mit der Fehlstellung des linken Fußes zur Welt. Wie der Verbindungslehrer Raju Shresta an Dr. Volker Seitter schrieb, stammt sie aus einer armen Familie. Er bat den Gesundheitsbeauftragten, sie bei einem Ärztecamp im November vorstellen zu dürfen. Santoshis Mutter arbeite als Tellerwäscherin in einem Hotel, der Vater sei Alkoholiker. Wenn er einmal zuhause sei, dann gebe es Streit. Die Mutter und ihre beiden Kinder wohnen zur Miete und hätten kaum Geld zum Überleben.
Seitter sprach sich dafür aus, dem Mädchen zu helfen und ihr eine Operation zu ermöglichen. „Sonst hat sie keinerlei Chance auf eine Ausbildung oder eine Heirat.“ Auch ein Junge mit einem Nabelbruch konnte operiert werden. Die Behandlung habe 325 Euro gekostet. „Das zahlt eine Familie in drei Jahren an Miete.“ Die Nepalhilfe springt immer wieder in medizinischen Einzelfällen ein, um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Bei einem Augencamp wurden außerdem 349 Menschen untersucht und 43 Brillen verordnet. Das Zahnärzteprogramm sei während der Pandemie zum Erliegen gekommen. „Es wird höchste Zeit, dass wir es fortsetzen“, sagte Seitter, der im April eine medizinische Reise nach Nepal organisieren will.
Wie Schatzmeister Stefan Fechner erläuterte, konnte der Verein seit seinem Bestehen über 3,1 Millionen Euro in soziale Projekte investieren. „Unsere knapp 400 Mitglieder haben unglaublich viel geleistet.“ Die Finanzen seien geordnet. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet.
Der Verein unterhält außerdem 210 Schulpatenschaften, um nepalesische Kinder gezielt zu fördern. Besonders Mädchen, die oftmals benachteiligt werden, sollen ein Bildungschance erhalten. Gezielt werden zinsfreie Mikrokredite an Frauen vergeben, damit die Familien sich mit einem kleinen Geschäft oder Tierhaltung über Wasser halten können. Auch die Tilingatar Higher Secondary School (THSS) in Kathmandu ist eine Vorzeigeschule. Die Schulabgänger werden darin unterstützt, einen Ausbildungsberuf zu erlernen. „Wir wünschen uns langfristig, dass die Nepalis auf eigenen Beinen stehen und wir überflüssig werden“, bekräftigte der Vorsitzende.
Über eine Studienreise nach Nepal berichtet Felix Engelhardt. Der Lehramtsstudent für Geografie und Englisch war mit seinen Kommilitonen im Frühjahr zu Besuch in Malekhu. Die Begegnung mit den Schülern, denen Laptops, Brillen und Medikamente und kleine Geschenke mitgebracht wurden, hätten den Studenten unvergessliche Erlebnisse beschwert, wie er erzählte. Die Exkursion des Würzburger Lehrstuhls für Geographiedidaktik beinhaltete ebenso einige Trekkingtouren, um Land und Leute kennenzulernen. Das alles hielt der angehende Lehrer in einem Reisetagebuch fest.
Nähere Informationen, Bilder und Videos erhalten Sie auf der Homepage unter www.nepalhilfe-kulmbach.de
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