„Mit Hilfe zur Selbsthilfe viel Gutes getan“

Mit Trekkingreisen in das Land im Himalaya fing alles an. Der Kulmbacher Arzt Dr. Johann Hunger lernte dabei einen Sherpa kennen, der ihm von einem jungen Mann mit zwei gebrochenen Sprunggelenken erzählte. Er war in Indien erfolglos operiert worden, gehunfähig und saß im Rollstuhl.  „Ein Bild des Jammers ohne Perspektive für die Zukunft! Hier war Handlungsbedarf.“ Kurzerhand suchte der Chirurg und Menschenfreund nach einer Lösung. Und es gelang, den Mann nach Kulmbach zu holen und ihm zu helfen.

Zur Operation nach Kulmbach geholt

„Relativ blauäugig“, wie er in seinem Rückblick erläutert. Es seien „unerwartete Hürden“ mit der Ausländerbehörde zu überwinden gewesen.  „Schlussendlich hat unser Klinikum, damals noch Krankenhaus, unseren Patienten stationär aufgenommen.  Ich habe ihm in zwei Sitzungen beide Beine operiert. Die ganze Aktion hat damals 30 000 Mark gekostet. Letzten Endes hat der junge Nepalese bis zu seiner Rehabilitation nach dem Klinik-Aufenthalt noch vier Monate in Kulmbach verbracht, bis er sich wieder fortbewegen konnte.“

In Nepal leben noch immer viele Menschen in bitterer Armut. Das Land hat kein öffentliches Gesundheitssystem. Ohne die Kulmbacher wäre eine Operation nicht möglich gewesen. Peter Pöhlmann sammelte das nötige Geld ein, Sonja Promeuschel übernahm die krankengymnastische Behandlung. Danach konnte Dambar Rai mit orthopädischen Schuhen wieder gehen.

Seit 22 Jahren Koordinator vor Ort in Nepal.

Die Drei entschlossen sich, weiter zu helfen und gründeten im Juni 2002 den Verein Nepalhilfe Kulmbach. Der erste Vorsitzende war Peter Pöhlmann, sein Stellvertreter Dr. Johann Hunger. In Nepal fand sich außerdem ein Mann, der den Verein bis heute unterstützt. Shyam Prasad Neupane, Mitglied im Lionsclub in Kathmandu, koordiniert seit 22 Jahren  die Projekte der Nepalhilfe vor Ort. Anlässlich der Feier war er eigens nach Kulmbach angereist. Von Anfang an dabei ist auch Sonja Promeuschel, die sich vor allem um die Patenschaften der Nepalhilfe kümmert. Rund 300 Patenschaften für nepalesische Kinder vermittelte die stellvertretende Vorsitzende im Laufe der Jahre.

Einsatz für eine bessere Schulbildung

Mit 30  Mitgliedern begann der Verein seine Tätigkeit. Heute zählt er 350 Mitglieder.  Ein Spendenaufruf zu Hungers 60. Geburtstag brachte damals 16 000 Mark ein – das Startkapital. Mittlerweile werden Schulen in Kathmandu und in Malekhu unterstützt, 80 Kilometer und früher eine Tagesreise von der Hauptstadt entfernt. In Nepal ist Schulbildung nicht kostenlos. Digitaler Unterricht ist inzwischen dort möglich – dank der Förderung durch die Nepalhilfe.

Außerdem fördert die Nepalhilfe ein Krankenhaus, das Siddhi Memorial Hospital in Bhaktapur.  Auch ein Altenheim in Pashupatinath wurde gegründet, einzigartig in Nepal, wo sich üblicherweise die Familien um die älteren Verwandten kümmern. Hier kommen Senioren unter, die keine Kinder oder Enkelkinder haben.

Wertschätzende und nachhaltige Zusammenarbeit

„Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, sagte Sonja Promeuschel. Anhand von Fotos und Videos erläuterte sie mit Shyam Neupane den Stand der Projekte in Nepal. Dabei gehe es um die Wertschätzung der Menschen im Land, die ihre Sicht miteinbringen sollen. Nur so komme es zu einer nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit. „Für das Siddhi Memorial Hospital haben wir ein Röntgengerät gekauft, eine Pharmazie eingerichtet und ein Wartezimmer gebaut“, sagte Shyam Neupane, der Beirat der Nepalhilfe ist.

An der Tilingatar Schule in Kathmandu im Stadtteil Dhapasi werden nach den Worten von Vorsitzendem Hunger inzwischen 1500 Schüler unterrichtet. Ergänzt wird sie um eine Berufsausbildung für technische Berufe. In Malekhu im Distrikt Dhading erhalten 1350 Mädchen und Jungen eine Schulausbildung bis zur Hochschulreife. Dort wurde auch eine Gesundheitsstation mit einer Krankenschwester eingerichtet. Anfangs standen dort nur  Baracken, Lehmbauten mit Wellblechdach und offenen Fenstern. 

Schulspeisung Grund zum Schulbesuch

Heute hat die Schule mehrere Stockwerke, Toiletten, Klassenzimmer, Säle für naturwissenschaftlichen Unterricht. Der Schulhof ist gepflastert und täglich gibt es eine Schulspeisung. Ein wichtiger Grund für die Eltern, ihre Kinder dorthin zu schicken, wie Sonja Promeuschel berichtet. „Wir haben schon oft gesagt, wir bauen nichts mehr – und wir bauen jetzt schon seit 20 Jahren.“ Als Nächstes wird eine neue Schulküche mit Mensa in Malekhu errichtet werden. Die aktuelle Küche entspricht nicht mehr den technischen Anforderungen und dem Bedarf. 

Erstaunlich, was in nur 20 Jahren alles durch ehrenamtlichen Einsatz geleistet wurde. Ärzte, Zahnärzte, Optiker und viele mehr begleiteten die Reisen, um Hilfe in Nepal zu leisten. Auch 2015 nach dem Erdbeben fuhren Kulmbacher Helfer hin, um die zerstörten Häuser wieder mit aufzubauen. 

Um Frauen ein selbstständiges Einkommen zu ermöglichen, werden zudem Mikrokredite vergeben. „Das ist das Beste, was wir machen können, um den Menschen eine Chance für die Zukunft zu geben.“