Es geht los!
Der 6. April war gerade angebrochen und etwa 20 Kilo zahnärztliche Ausrüstung (incl. einer zum Verbleib in Nepal gespendeten Polymerisationslampe, die ich als Backup für das einzige vor Ort verfügbare Gerät unbedingt mitnehmen wollte) machten sich am Samstagmorgen verteilt auf das Handgepäck und die Koffer unserer vierköpfigen Reisegruppe ab Nürnberg via Istanbul auf den Weg nach Kathmandu, wo wir am frühen Sonntagmorgen von Shyam Neupane (unser Mann in Nepal, seit langem Freund und zuverlässiger örtlicher Ansprechpartner der Nepalhilfe Kulmbach)
nebst großem Begrüßungskomitée herzlich empfangen wurden. Nach einer Nacht in Bhaktapur fuhren wir
dann am frühen Montagmorgen weiter nach Malekhu, dem Ziel des „dienstlichen“ Teils unserer Reise.
Meine von unbändigem Tatendrang geprägte naive Vorstellung, gleich noch am Montagnachmittag mit der zahnärztlichen Arbeit loszulegen, sollte allerdings durch die normative Kraft des Faktischen pulverisiert werden. Merke: in Nepal gehen die Uhren anders, und das nicht nur aufgrund der Zeitverschiebung von 3:45 Stunden!


Empfang in Malekhu- ganz großes Kino! Gegen 10 Uhr trafen wir dann ausgeruht in Malekhu ein, kompetent von unserem lieben Freund Shyam begleitet. Sein exzellentes Deutsch und seine Fürsorge ließen weder während der Arbeitswoche in Malekhu noch auf unserem anschließenden Rundtrip in Nepal keinen Gedanken an Heimweh zu.
Die letzten hundert Meter zum Schulhof mußten wir per pedes (bei deutlich über 30 Grad und strahlender
Sonne) zurücklegen. Und offenbar war die komplette Schulfamilie trotz Ferien zum Empfang der NHK- Delegation aus Deutschland angetreten! Reichlich ausgestattet mit bunten Schals und Blumengirlanden
und – Sträußchen durften wir sodann auf der schattig überdachten und mit Ventilator gekühlten Ehrentribüne Platz nehmen. Von Bürgermeister über Schulleitung und sonstigen hohen Würdenträgern war alles vertreten, was zwischen Kathmandu und Malekhu Rang und Namen hat. Es folgte ein mehrstündiges Programm aus sehenswerten Volkstänzen und Begrüßungsreden. Schließlich stand ja die
Einweihung des neuen Gebäudes mit Mensa, Küche sowie Gästezimmern und Behandlungsräumen im
Vordergrund.
So war ich am späten Nachmittag froh, daß ich immerhin meine Nurse Ranjeeta endlich persönlich
kennenlernen und ihr das mitgebrachte Equipment übergeben durfte. Zu meiner freudigen Überraschung
erfuhr ich dann, daß ein Zahnarzt, eine Kollegin sowie drei ihrer DH aus dem Kantipur Dental College am
nächsten Tag ankommen würden, um mich bei der Arbeit zu unterstützen.
Angesichts der Ausstattung mit nur einer Behandlungseinheit überforderte das erstmal mein
Vorstellungsvermögen. Aber andererseits hatte das Dentaldepot Kern ja unter anderem 300
Kinderzahnbürsten mit auf die Reise geschickt – möglicherweise könnte man ja die drei DH sinnvoll mit
Prophylaxeschulung beschäftigen.
Der erste Tag in Malekhu endete dann mit einer kurzen Besichtigung der dentalen Infrastruktur und mit meinem weiteren Bemühen, mich auf den lokalen Rhythmus einzupendeln.


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