Ab dem zweiten Arbeitstag: alles cool, alles Routine!
Am ersten durchaus herausfordernden und anstrengenden Arbeitstag habe ich so einiges
von dem, was ich in den letzten Jahrzehnten als „normal“ oder gar unabdingbar angesehen hatte, ganz schnell und sehr weit über Bord geworfen.
Deshalb konnte ich recht frei und unbeschwert meiner Arbeit nachgehen, wobei ich mich zusehends auch
von den teils schwierig umzusetzenden Therapieempfehlungen meiner Kollegen löste. Das Projekt gibt es
halt leider nicht her, in einer Woche bei mehr als hundert Patienten (so viele wurden gescreent!) komplette Sanierungen durchzuführen. Dennoch war ich mit unserer Arbeitsteilung und dem kollegialen Einsatz mehr als zufrieden: in Nepal weiß man zu improvisieren, und für Milchzahnextraktionen tun es auch mal ein Küchenstuhl und die von mir mitgebrachte LED- Stirnlampe. Und Anästhetikum hatte ich ja reichlich dabei.
Der kollegiale Einsatz parallel zu meiner eigenen Arbeit hat mich schwer beeindruckt!
Das „Wartezimmer“ füllt sich und ich bin ganz entspannt! Bei der Füllungstherapie haben die beiden Kollegen anfangs etwas mit dem lichthärtenden Composite gefremdelt (so wie ich bei deren Technik, mehrflächige Füllungen ohne Matrize unter Zuhilfenahme von Zahnseide zu legen). Sehr beeindruckt war ich hingegen von der Geschicklichkeit und der extrem raschen Auffassungsgabe der DH, die mir mehrmals als Assistenz zuarbeiteten, wenn meine etatmäßige Nurse Ranjeeta aufgrund anderweitiger dienstlicher Verpflichtungen nicht zur Verfügung stand. So ging diese Woche rasend schnell vorbei. Die Frustration über die Diskrepanz zwischen dem unfassbar großen Behandlungsbedarf und den beschränkten Möglichkeiten, diesem in wenigen Tagen auch nur annähernd gerecht zu werden, wurde durch die unglaubliche Dankbarkeit der kleinen und großen Patienten mehr als nur wettgemacht. Und
ich glaube, daß ich in dieser Woche mehr glücklich strahlende Kindergesichter gesehen habe als zuhause in ganz vielen Praxisjahren. Mangelnde Compliance? Plärrende, trotz sicherer Schmerzausschaltung zappelige Kinder? Mürrische Erwachsene (was nach mehreren Stunden Wartezeit im Freien
bei Temperaturen von über dreißig Grad durchaus verständlich gewesen wäre)? Nichts von alledem! Im
Gegenteil: Dankbarkeit und Wertschätzung für meine Arbeit habe ich noch nie so intensiv gespürt wie hier in Malekhu.


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